Der Begriff „Planspiel“ wirkt zunächst recht abstrakt. Das Online-Lexikon Wikipedia z.B. definiert ein „Planspiel“ wie folgt: „Planspiel bezeichnet eine Methode zur Simulation komplexer realer soziotechnischer Systeme.“1
Für die meisten Leserinnen und Leser entsteht bei dieser Definition weiterführender Klärungsbedarf. Warum sollte man also ein derart sperriges Konzept im Unterricht zusammen mit Schülerinnen und Schülern überhaupt einsetzen? Vielleicht hilft eine etwas niederschwelligere Herangehensweise an diesen Begriff:
„Politik ist Verhandlungssache: Wer bekommt was? Und wer bestimmt das? Wer setzt sich wem gegenüber durch? Es gilt im politischen Tagesgeschäft, widerstreitende Interessen zu vereinen und Entscheidungen über die Verteilung von Geld, Macht, Sicherheit, Autonomie usw. zu treffen. Die Teilnehmenden können Politik hautnah erleben: Als Abgeordnete im Parlament diskutieren sie in Fraktionen über ein aktuelles Thema oder ringen als Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft um Einfluss. In der letzten Phase kommt es zur Abstimmung und der entscheidenden Frage: Gibt es eine Lösung für den Konflikt?“2
Ein Planspiel soll somit in einem didaktisch vereinfachten Rahmen politische Prozesse greifbar machen. Teilnehmende Schülerinnen und Schüler übernehmen hierbei für die Dauer des Planspiels die Rolle eines relevanten Akteurs (z.B. betroffene Gesellschaftsteile, politische Parteiung, Vertretung wirtschaftlicher Interessen oder sonstiger Interessensgruppen). Aufgabe hierbei ist es, das vorliegende Problem zu analysieren und verständlich zu machen, die verschiedenen – ggf. auch widersprüchlichen – Interessen gegeneinander abzuwägen und schließlich am Ende zu einer Lösung für die zugrundeliegende Problemstellung zu kommen.
Im Rahmen der sog. Projektwoche am FGH setzte die Fachschaft „Politik und Gesellschaft“ mit Lernenden der 11. Jahrgangsstufe ein solches Planspiel in der Praxis um. Das Thema war hierbei ein sehr realitätsnahes, nämlich der demographische Wandel. Anhand eines Beispielszenarios wurde den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern die Komplexität dieser gesellschaftlichen Konstellation eindringlich vor Augen geführt. Der gültige Lehrplan nennt den demographischen Wandel als verbindlichen Unterrichtsgegenstand für die genannte Jahrgangsstufe.3 Somit lag in der Theorie eine ganze Reihe an Informationen auf dem Tisch. Durch die Methodik des Planspiels gewann das Thema in aufmerksamer und engagierter Atmosphäre an Greifbarkeit, die weit über die Behandlung im laufenden Unterricht möglich gewesen wäre.